Im Winter ist der Garten um einiges kahler als zu den anderen Jahreszeiten. Die
Bäume tragen kein Laub, die oberirdischen Teile der Stauden und Gräser sind
vertrocknet, die Zwiebelblumen liegen abwartend unter der Erde … Tatsächlich ist all
das nicht nur ein Zeichen dafür, dass die Natur im Winter auf Sparflamme läuft,
sondern auch für die schlauen Mechanismen der Pflanzen, mit denen sie die kalte,
wasser- und lichtarme Zeit überleben.
Wieso gefriert das Wasser in den Pflanzen nicht?
Wie wir Menschen bestehen auch Pflanzen zu einem Großteil aus Wasser. Es sitzt in
ihren Zellen und würde sich beim Gefrieren ausdehnen, die Zellmembranen würden
platzen und die Pflanzen sterben. Damit das nicht geschieht, stellen die Gewächse
ihr eigenes Frostschutzmittel her. Hierbei hilft unter anderem der Zucker, den sie
während der wärmeren Jahreszeiten mit Hilfe ihrer Blätter produziert und im Herbst
in den Zellen eingelagert haben. Dieses setzt den Gefrierpunkt des Wassers herab.
Einige Arten können so tatsächlich Minusgrade im mittleren zweistelligen Bereich
aushalten. „Natürlich gilt das nicht für jede Pflanze im selben Maße“, betont N.N. vom
Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (BGL). „Arten aus
wärmeren Regionen dieser Welt waren nie darauf angewiesen, langanhaltende, sehr
eisige Perioden auszuhalten. Daher haben sie auch keine entsprechenden
Strategien entwickelt. Tropische und mediterrane Kübelpflanzen wie Oleander,
Zitruspflanzen oder gewisse Palmen benötigen aus diesem Grund entweder einen
zusätzlichen Schutz oder eine frostfreie Überwinterung in der Garage oder dem
Gewächshaus.“
Wie überleben Bäume den Winter?
Auch Bäume können ein eigenes Frostschutzmittel herstellen, darüber hinaus schützt
sie aber auch ihre Rinde vor Frost von außen. Denn die Borke enthält
Lufteinschlüsse, die Extremtemperaturen abmildern. Zum anderen hat auch der
Laubabwurf im Herbst Strategie. Über die Blätter verdunstet Wasser, im Winter ist
dieses im Boden jedoch gefroren. Die Wurzeln können also keine Flüssigkeit
aufnehmen und den Verlust über die Blätter ausgleichen. Als Folge würde der Baum
vertrocknen. Daher entledigt er sich im Herbst seines Laubes, nachdem er ihm
wichtige Nährstoffe entzogen und in den Zellen eingelagert hat. Weiterer Vorteil
dabei: Der Wurzelraum wird durch das Laub am Boden wie durch eine Decke
geschützt und das kahle Geäst hält Schneelasten besser aus und es kommt seltener
zu einem Bruch.
„Auf Immergrüne wie die meisten Nadelbäume trifft all das natürlich nicht zu“, erklärt
N.N. vom BGL. „Die meisten Nadelgehölze sind schon aufgrund der kleinen
Blattflächen gut auf den Winter eingestellt, da sie eine geringe Oberfläche haben und
somit weniger Wasser verdunsten. Eine Wachsschicht schützt zusätzlich vor
Austrocknung und Kälte. Manche immergrünen Laubgehölze, wie die Mahonie,
entwickeln sogar eine Art Sonnenschutz, in dem sie ihr Laub im Winter bunt färben.
Ein attraktives Highlight im winterlichen Garten! Immergrüne wie der Rhododendron
rollen dagegen ihre Blätter ein, um die Oberfläche zu verringern.“ Anders als bei den
kahlen Laubbäumen findet Schnee auf den Ästen der Immergrünen sehr viel Fläche.
Das kann dazu führen, dass sie unter der Last brechen. Landschaftsgärtnerinnen
und Landschaftsgärtner raten daher, hin und wieder leicht an den Gehölzen zu
schütteln, damit der pudrige Schnee herabrieselt und keine kompakte Schicht
entsteht.
Wieso sterben manche Pflanzen vor dem Winter ab?
Das können manche Pflanzen ähnlich gut wie wir: Wenn man sich einer Sache nicht
stellen möchte, setzt man auf Flucht. Das machen zum Beispiel viele Stauden und
Gräser. Sie sterben nach der Blüte oberirdisch ab – ihr Laub wird braun und
vertrocknet – und treiben erst im wärmer werdenden Frühjahr oder Sommer, seltener
im Herbst, wieder aus. So entgehen sie den harten Bedingungen, die im Winter über
der Erde herrschen. Doch sie sind natürlich nicht tot, vielmehr ziehen sie sich in ihre
Überdauerungsorgane (Wurzeln, Zwiebeln, Knollen oder Rhizome) im Boden zurück.
Dort lagern sie wichtige energiereiche Speicherstoffe ein, die es ihnen erlauben, im
nächsten Jahr wieder kraftvoll auszutreiben. Zwiebelblumen wie Narzissen legen bis
zum Winter sogar bereits eine kleine Version der späteren Blätter, Staubgefäße und
Blüten in ihrer Zwiebel an. So können sie im neuen Jahr besonders schnell und vor
vielen anderen Pflanzen austreiben. „Es gibt übrigens auch wintergrüne Stauden“,
erklärt der/die Experte/in für Garten und Landschaft N.N.. „Sie wachsen zumeist sehr
kompakt, das Laub ist sehr dicht, was die innenliegenden Blätter und Knospen vor
dem Frost von außen schützt. Schöne wintergrüne Polsterstauden sind zum Beispiel
der Rosa Günsel oder das Farn-Fiederpolster. Mit ihnen lassen sich während der
sonst eher kahlen Jahreszeit schöne Akzente gestalten.“
Einjährige setzen dagegen auf ihre Nachkommen. Sie produzieren vor dem Winter
jede Menge Samen, die einen geringen Wassergehalt, ebenfalls ein eigenes
Frostschutzmittel und eine harte Schale haben und so gegen die Kälte gerüstet sind.
Bei ihnen sterben zwar die Mutterpflanzen ab, doch die nächste Generation ist
gesichert. Weitere Informationen zur abwechslungsreichen Pflanzenwelt und wie
Landschaftsgärtnerinnen und Landschaftsgärtner mit ihnen durch das Jahr attraktive
Gärten anlegen gibt es auf: www.mein-traumgarten.de.
BGL